Fundstücke des Monats

Bisherige Fundstücke des Monats:

Unscheinbar wäre vielleicht das erste Wort was einem zu diesem Objekt einfällt. Oder auch: das ist doch ein Nagel mit großem Kopf, vielleicht ein Ziernagel. Doch wie oft, liegen die Feinheiten im Detail und machen dieses, nur etwa 5 cm lange Objekt zu etwas Besonderem. Denn der etwa 1 cm hohe, recht schwere Kopf besitzt eine leicht gewölbte Oberseite und besteht aus gut gehärtetem Eisen. Es handelt sich um einen kleinen Spezialamboss für das Dengeln von Messern oder auch das Treiben von Zierblechen. Hierfür steckte ihn der Schmied mit dem spitzen Ende in einen vermutlich hölzernen Dengelstock oder auch eine Tischplatte. Mithilfe eines Hammers konnte er nun die Messerschneide oder das Zierblech über den kleinen Ambosskopf austreiben.

Solche kleinen Steckambosse sind aus dem Repertoire römischer Schmiede bekannt und finden sich zum Beispiel in Regensburg oder auch auf der Saalburg. Unser Steckamboss lag gemeinsam mit anderen Werkzeugfunden und einer Münze in der Schürgrube einer Darre im Außenbereich der römischen Villa Rustica am Aussiedlerhof zwischen Aschheim und Feldkirchen. Er dürfte den dort lebenden Bauern lange Jahre gute Dienste geleistet haben und geriet möglicherweise nach einem Brand, beim Aufräumen des Schutts, in die Verfüllung der Grube.

Auch dies ist ein Stück Ortsgeschichte: eine Limoflasche der Limonadenfabrikation Georg Präbst aus Aschheim.
In der Nachkriegszeit, als sich bedingt durch Zerstörungen, Neuaufbau und den industriellen Wandel im bisherigen Agrarland Bayern so einiges änderte, suchten viele nach neuen Arbeits- und Auskommens Möglichkeiten. So auch der Aschheimer Georg Präbst, der 1954 in der Tassilostraße eine Limonadenfabrikation ins Leben rief. Limonade war nach dem Krieg sehr beliebt geworden, das süße Getränk stand ein Stück weit für das neue Leben im Wiederaufbau. So erfreute sich denn auch die Aschheimer Limonade einer großen Beliebtheit. Sieht man sich das Etikett der Flasche genau an, so fällt der Schriftzug „mit reinen Zucker“ auf. In Zeiten, in denen Cola Zero und andere, möglichst zuckerfreie Getränke mit dennoch vollem Geschmack werben, wirkt das herausstellen der vollen Zuckersüße etwas befremdlich. Es war eine andere Zeit, Zucker viel seltener und etwas Besonderes.
Die wunderbar erhaltene Flasche, der bis 1974 bestehenden Limonadenfabik in Aschheim, wurde dem Museum letztes Jahr von Peter Stilling geschenkt. Sie ergänzt ab sofort den Ausstellungsbereich „Landwirtschaft und Handwerk“ im AschheiMuseum.

Die Funktion dieses etwa 7 cm langen Objekts dürfte schnell klar sein, denn derartige Geräte kennen wir heute noch sehr gut. Es handelt sich um eine Pinzette. Die Wangen und das obere Ende sind ein wenig anders gestaltet als man es heute kennt. Das gute Stück ist 1400 Jahre alt und wurde in einem Männergrab der Zeit um 600 n. Chr. im bajuwarischen Friedhof Aschheim-Bajuwarenring gefunden. Es ist ein sehr feines Objekt: Die Kanten der breiten und immer noch exakt zueinander schließenden Wangen besitzen eine geschwungene Form und in der Fortsetzung nach oben eine feine Gliederung durch regelmäßige Kerbschnittpärchen. Das obere Ende ist mit einer Öse versehen, durch die ein Bronzedraht gezogen wurde, mit dessen Hilfe das edle Gerät befestigt werden konnte.

Pinzetten werden im frühen Mittelalter fast ausschließlich in Gräbern jugendlicher oder erwachsener Männer gefunden und dort zumeist sorgfältig in einer Tasche verwahrt. Forscher vermuten einen Zusammenhang der Pinzetten mit der Bartpflege oder dem Entfernen anderer, ungewollter Gesichtshaare. Zumindest bestimmte Personengruppen legten offensichtlich Wert auf ein gepflegtes Äußeres, wie dieses Stück nahelegt.

Dieser bronzene Armring stammt aus dem Grab einer keltischen Frau, die in der Zeit um etwa 300 bis 250 v. Chr. verstarb. Gemeinsam mit einer weiteren, erwachsenen Person und einem Kleinkind gehörte sie zu einer kleinen Grabgruppe, die im Bereich der Aschheimer Blombergstraße im Jahr 1997 ausgegraben wurde. Die Grabgruppe befand sich inmitten von Siedlungsbefunden sowohl der keltischen Zeit, wie auch der späten Bronzezeit (1200-800 v. chr.) und der Römischen Kaiserzeit (hier ca. 30-350 n. Chr.).
Der feine Ring lag um das rechte Handgelenk der Dame. Mit einem Innendurchmesser von nur 55 mm ist er sehr schmal und belegt, dass die Frau eher grazile Handgelenke besaß. Der Ring besitzt zeittypische Petschaftenden – so benannt, weil die Form an einen Petschaft-Stempel erinnert. Feine, gewinkelte Verzierungen bilden den Übergang zum unverzierten Ringkörper. Am linken Handgelenk trug die Dame einen weiteren, etwas unscheinbareren Ring und einen dritten, größeren um den rechten Oberarm sowie weitere an den Fußgelenken. Ringschmuck erfreute sich in der gesamten Eisenzeit großer Beliebtheit, wobei diese feinen Zierformen ein Charakteristikum keltischer Kunst sind. Es wundert nicht, dass sie heute an Jugendstil-Kunst erinnern, orientierte sich doch der Jugendstil auch an keltischer Kunst!

Bei diesem Fibelpaar handelt es sich um Gewandschließen, die Frauen im frühen Mittelalter verwendeten, um ihr Kleid oder auch ihren Umhang im Brustbereich sehr stilvoll befestigen zu können.
Diese beiden fanden sich im Grab einer Frau, die innerhalb der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts hier in Aschheim verstarb und auf dem Gräberfeld am heutigen Bajuwarenring beerdigt worden war.
Die Nadeln der Fibeln wurden damals nicht direkt in das Textil des Kleidungsstücks gestochen. Auf der Rückseite einer Fibel ist durch die Korrosion der eisernen Nadel noch ein Stück Textil erhalten geblieben. Hier zeigt sich, dass die Nadel durch Schlaufen gegriffen hat, die an der Kleidung angenäht waren. So saß die Fibel immer an der gleichen Stelle und riss keine Löcher in den Stoff.
Die Schauseite bildet je ein S-förmig geschlungenes Band, das aus rechteckigen roten Steinen – Almandinen – besteht. Die Enden dieses Bandes münden je in einen Vogelkopf, erkennbar an einem rundlichen Auge und dem hakenförmigen Schnabel. Bei diesem Typ sind die Felder zwischen Schnabel und S-Form nicht ausgeschnitten, sondern geschlossen und mit Kerbschnitt verziert.
Diese Form ist spannend, denn sie weißt neben dem süddeutschen Raum auch eine Verbreitung in Ungarn und in Norditalien auf. Möglicherweise hängt dieses Bild mit den Langobarden zusammen, die sowohl enge Verbindungen zu den Bajuwaren besaßen, wie auch – laut Schriftquelle – um 568 nach Norditalien übersiedelten.

Knochen und Zähne von Tieren wurden und werden nicht immer als Abfall nach dem Fleischkonsum angesehen. Aus Knochen kann man auch tolle Objekte herstellen, das Material ist sehr widerstandsfähig und lässt sich mannigfaltig bearbeiten. Zähne sind dabei ein wenig schwieriger, da der Zahnschmelz deutlich härter und etwas spröder ist als Knochenmaterial. Das hat die Menschen in der frühen Bronzezeit (ca. 2200-1600 v. Chr.) jedoch nicht bremsen können, auch aus Zähnen – besonderen Zähnen – Schmuck, Amulette und andere, nützliche Gegenstände herzustellen. Ein schönes Beispiel ist dieser Zahn eines Wildschweinebers. Er wurde halbiert, geschnitzt und dann rundlich geschliffen. Ohne Schleifpapier musste das mit viel Gefühl und Sorgfalt passieren, leicht konnte der Zahn brechen. Angefertigt hatte man eine etwa 9 cm lange, wunderbar gebogene Nadel, die Kleidung verschließen konnte und am dickeren Ende durchlocht war, um sie anbinden zu können. Die Nadel fand sich in der Verfüllung eines Brunnens, der 2011 im Bereich der KiTa an der Uttastraße ausgegraben wurde. Entweder half die Befestigung nicht und sie war beim Wasserholen aus der Kleidung gerutscht – oder aber sie geriet als Opfergabe beispielsweise für stetig sauberes Wasser in den Brunnenschacht. Schade, dass uns das niemand mehr erzählen kann.
Vermutlich war die Nadel nicht nur ihrer Form halber aus einem Wildschweinzahn hergestellt, sondern vielleicht auch, um die Kräfte dieses wilden, starken Tiers für sich nutzen zu können – symbolisch zumindest.

Er sieht aus wie eine übergroße Perle - dieser wunderbare Wirtel aus Millefioriglas. Er stammt aus dem Grab einer jungen Frau, die im Alter von 20-24 Jahren verstarb und im frühen 6. Jahrhundert in Aschheim, am heutigen Bajuwarenring beerdigt worden war. Bei den Ausgrabungen 1998 kam er wieder ans Tageslicht.
Der Wirtel ist durch seine etwas unregelmäßige Form, seinem Gewicht von 87,4 g und einem Durchmesser von 4,2 cm zu groß, zu schwer und zu unwuchtig um ihn als Spinnwirtel - also als Gewicht einer Spindel - zu nutzen. Zudem ist er viel zu empfindlich und war vermutlich auch zu wertvoll dazu.
Es handelt sich um einen Grundkörper aus Glas, auf den kleine, viereckige Glasplättchen mit spezifischen Mustern, richtig angeordnet, aufgeschmolzen wurden. Vorher müssen die Glasplättchen mit den Mustern vierblättriger gelber Blüten in grünem Glas und weiß-roter Ringe in blauem Glas aus Glasmasse hergestellt werden. Zusammengenommen eine Meisterarbeit, die nicht jeder Glasperlenmacher beherrschte. Dieser Wirtel stammt wohl auch gar nicht aus Süddeutschland, sondern viel eher aus Italien. Aufgrund der Blütenmuster nennt man es Millefioriglas - Glas aus tausend Blüten!
Der Wirtel wurde ursprünglich an einem Band, vielleicht aus Leder, getragen und diente wohl als Amulett, das die junge Frau vor Unheil bewahren sollte. Vielleicht half er zeitweilig, vor ihrem frühen Tod hat er sie allerdings nicht bewahrt.

Ursprünglich wohl aus dem byzantinischen Raum stammend, breitete sich die Mode der vielteiligen Gürtelgarnituren im 7. Jahrhundert auch nördlich der Alpen aus. Bei einem vielteiligen Gürtel handelt es sich um einen ledernen Riemen, der nicht nur eine Schnalle und eine Riemenzunge aus Metall besitzt, sondern zahlreiche Beschläge auf dem Ledergurt, von denen zur Zierde kleinere Riemen abgingen, die in kleinen Riemenzungen enden.
Einen solchen Gürtel der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts fand man bei Ausgrabungen im Jahr 1986 an der heutigen Saturnstraße in Aschheim. Das heißt, vom Leder war nicht mehr viel übrig, eigentlich fand man nur noch die Beschläge aus Eisen. Der Gürtel lag nicht in einem Grab, sondern vermutlich gut verpackt in der Verfüllung eines Grubenhauses. Von seiner Verpackung haben sich durch den Rost der eisernen Beschläge Reste unterschiedlich feinen Textils und Federn erhalten, die sich durch die braunen Auflagerungen erkennen lassen. Die Beschläge sind durch silberne Tauschierarbeiten verziert. Die Muster zeigen zeittypischen Tierstil – fast floral gewundene Tierkörper, die ineinander beißen. Eigentlich wunderschöne Stücke, nur leider hat der Zahn der Zeit und eine lange unsachgemäße Aufbewahrung das Eisen stark mitgenommen, weshalb die Beschläge nicht mehr alle in voller Pracht erhalten sind.

Am Rande der Einfahrt zum Partnerschaftshaus befand sich noch ein Brunnen im Boden, der im März 2024 ausgegraben wurde. Es handelte sich um einen Befund, der zu den Hofstrukturen des hohen Mittelalters, bzw. der Zeit des 11.-13. Jahrhunderts gehörte, die hier bei den Ausgrabungen im Jahr 2022 erstmals mitten in Aschheim nachgewiesen werden konnten.

Der Brunnen zeigte sich mit 3 m nicht sonderlich tief, dennoch konnten hier Holzreste des Brunnenkastens geborgen werden, deren Jahrringe ein genaueres Baudatum versprechen, aber noch nicht ausgewertet sind. Bisweilen zeigt uns lediglich die Keramik das Alter des Brunnens an. Und die hat es in sich: Denn im Brunnenschacht, kurz oberhalb der Brunnensohle fanden sich die Scherben von zwei nahezu kompletten Gefäßen und dieser Topf in Gänze. Diese weißgemagerte Ware mit dem auskragenden, leicht unterschnittenen Rand und dem bauchigen Körper ist bisher selten in den ländlichen Siedlungen Oberbayerns, aber typisch für die Stadtgründungsphase in München oder auch im Kloster Sandau am Lech vorkommend.

Gleich drei Töpfe dieser Art in einem Brunnen mit Holzerhaltung in einer ländlichen Siedlung – die Aschheim im 11.-13. Jahrhundert war – zu finden ist ein echter Glückstreffer! Und ein weiteres, spannendes Puzzlestück in der Geschichte unseres Ortes.

Diese zwei aus Knochen geschnittenen und gedrechselten Ringlein gehörten zu einem so genannten Paternoster, dem Vorgänger des heutigen Rosenkranzes. Sie fanden sich 2005 bei Grabungen südlich an der Kirche St. Peter und Paul in Aschheim. Ursprünglich mit weiteren Ringen an einem Band befestigt, dienten sie im Leben als Gebetskette – und im Tod als Grabbeigabe eines Mannes aus dem 13.-16. Jahrhundert.

Die Idee einer Zählschnur als Orientierung für einen bestimmten Gebetsturnus scheint gegen Ende des 12. Jahrhunderts aus den islamisch-arabischen Ländern in den Westen gelangt zu sein. Durch die Kreuzzüge kamen die Europäer mit orientalischen Sitten und Gebräuchen in Kontakt, wie auch mit der Gebetsschnur, die dort mindestens seit dem 8. Jahrhundert bekannt war. In Europa wurde mithilfe des Paternosters zunächst nur das „Vater unser“ – also das „Pater noster“ – gebetet, daher stammt sein alter Name. Erst nach und nach traten auch einige „Ave Maria“ als Zwischengebete hinzu.

Im späten 15. Jahrhundert verbreitete dann der Dominikanermönch Alanus de Rupe eine spätmittelalterliche Legende zur Herkunft der Gebetsschnur. Der heilige Dominikus bekam demnach zu Beginn des 13. Jahrhunderts von der Muttergottes einen Rosenkranz verliehen, der ihm indirekt zum Sieg über Glaubensabweichler verhalf. Diese Geschichte machte den Paternoster zu Zeiten der Gegenreformation im 16. Jahrhundert populär und verlieh ihm seinen neuen Namen – Rosenkranz.

Wie eine komplexe Blüte wirken die weißen Glasfäden mit bernsteinfarbenen Endknoten auf dem dunklen Untergrund dieses etwa 4 cm großen Glaswirtels. Diese Blütenzier findet sich auf beiden Seiten des konischen Glaskörpers und macht ihn besonders edel. Er stammt aus einem Frauengrab des 6. Jahrhunderts aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld am Bajuwarenring.
Bei einem solchen Wirtel handelt es sich – trotz gleichen Aussehens – nicht um einen Spinnwirtel, also das Schwunggewicht am Ende einer Spindel, das für gleichmäßige Rotation sorgt, sondern um ein Amulett. Als Spinnwirtel wäre er zu schwer und durch seine Ausführung in Glas vermutlich zu empfindlich.
Leider wissen wir nicht wofür solche Amulette standen, welche Gefahren sie abwehren sollten oder welches Glück anziehen. Gefunden werden sie ausschließlich in Frauen und Kindergräbern. Doch neben dem für uns nicht mehr erschließbaren inneren Wert, besaß dieser Wirtel sicher auch einen hohen monetären Wert. Denn es handelt sich um ein hervorragendes Handwerksstück, da bei der Herstellung Temperaturkontrolle und Koordination genau zusammenpassen müssen, damit der feine Glasfluss auf dem dickeren Körper in dieser Weise einschmelzen kann. Ein Meisterwerk zu sehen im AschheiMuseum.